Ich will mehr wissen

Frieden stiften zwischen zwei verfeindeten Parteien hat in der Eidgenossenschaft eine lange Tradition. Seit 200 Jahren sind Friedensrichter zuständig für die Vermittlung von Bürgern und der Justiz und somit erste Anlaufstelle bei Zivilstreitigkeiten. In einigen Kantonen kennt man die Friedensrichter auch unter Vermittler oder Schlichter – die Funktion ist dieselbe.
Das ganze Verfahren auf Stufe Friedensrichter dauert in der Regel kaum länger als zwei Monate – da es keine langen Wartefristen gibt. In einem ersten Vermittlungsgespräch, welches ca. eine bis zwei Stunden dauert,  wird versucht, zwischen den zerstrittenen Parteien zu schlichten. Dabei vertritt der Friedensrichter weder die eine noch die andere Partei und hat somit eine neutrale, unabhängige Grundhaltung den Parteien gegenüber. Dabei stehen die Friedensrichter unter amtlicher Schweigepflicht und unterstehen einer gerichtlichen Aufsichtsbehörde. 

Die Friedensrichter helfen entscheidend mit, teure Prozesse abzuwenden und die nächsten Gerichtsinstanzen administrativ und materiell wesentlich zu entlasten; dabei entstehen schweizweit Einsparungen an Gerichtskosten in Millionenhöhe. Die Streitbeilegung auf Stufe Friedensrichter ist äusserst kostengünstig; die Gebühren sind von den Gerichtsbehörden festgelegt. Ein Fall vor dem Friedensrichter kostet in der Regel so zwischen Fr. 80.- bis 200.-. Man darf sich da gar nicht vorstellen, welche Kosten resultieren würden, wenn all die Fälle im Gericht behandelt werden müssten. Und zudem hat die erreichte Lösung vor dem Friedensrichter erst noch die Wirkung eines rechtskräftigen Entscheides.

Mit der Einführung der Schweizerischen Zivilprozessordnung ist auch in unserem Land das Zivilprozessrecht vereinheitlicht und löst 26 unterschiedliche kantonale Zivilprozessordnungen ab. Der komplizierte Rechtsalltag ist mit dieser Vereinheitlichung vereinfacht und zukunftsorientiert. Mit einem obligatorischen, vorprozessualen Schlichtungsverfahren ist die aussergerichtliche Streitbeilegung gestärkt. Und mit der Einführung dieser ZPO wird der Friedensrichter noch mehr vom Schlichter zum Richter, denn neu werden Urteile bis Fr. 2000.- Streitwert vom Friedensrichter gefällt. Auch nicht zu vergessen sind die künftig noch wichtigeren Fähigkeiten der Friedensrichter, auch im Sinne einer Mediation, die Parteien wieder zu vereinen. Aus diesen noch höheren Anforderungen heraus kann bestätigt werden, dass die Friedensrichter künftig noch professioneller werden müssen.

Nun, diesem Bedürfnis stellt sich der Verband der Friedensrichter und Vermittler seit einigen Jahren. So wird zurzeit eine umfangreiche Schulung für dieses Amt und wegen der neuen ZPO im Speziellen angeboten. Für angehende Friedensrichter wurde ein detailliertes Anforderungsprofil erstellt, das bei der Rekrutierung von neuen Friedensrichtern die Gemeinden und Parteien unterstützen soll. Und die Organisation selber (eidgenössischer-  und Kantonalverbände) sind daran, sich weiter und noch professioneller zu strukturieren und die bestehenden Netzwerke zu festigen und auszubauen. Die Kontakte zur Justiz und der Politik ist im Vorstand des Schweizerischen Friedensrichterverband weiter im Auf- und Ausbau.

Wieviel Friedensrichter braucht es also? 

Diese Frage kann nicht abschliessend beantwortet werden. Zum einen drängt sich da eine qualitative, aber auch eine quantiative Beurteilung auf. Es macht keinen Sinn, wenn Friedensrichter bloss drei bis vier Fälle pro Jahr zu erledigen haben. Dies ergibt dann keine Routine und Erfahrung. Wenn aber zwei bis drei Fälle pro Monat anstehen, rechnet sich die lokale Verankerung des Friedensrichters voll. Zum einen kann er sich auf die „Fälle“ besser einstimmen und eindenken und zum anderen wird die Funktion so nicht zu einer repetitiven Alltagsarbeit. Das Wissen über die lokalen Gegebenheiten nimmt, nebst der Persönlichkeit des Friedensrichters und der Fähigkeit zu vermitteln, eine nicht unwichtige Position ein.

Wie schon erwähnt, wird die Funktion der Friedensrichter künftig anspruchsvoller. Der schweizerische Vorstand der Friedensrichter und Vermittler ist derzeit dabei, eine umfangreichere und ganz spezifische Aus- und Weiterbildung aufzubauen. Diese Ausbildung umfasst unter anderem auch die Grundkenntnisse der Mediation, Recht, usw.. Das dabei zu erwerbende Diplom dieser Ausbildung soll einen hohen und akzeptierten Stellenwert einnehmen, in der Öffentlichkeit und bei den Behörden.

Abschliessend kann festgestellt werden, dass die Institution der Friedensrichter sicher an die künftigen Anforderungen angepasst werden muss. Diese Institution in Frage zu stellen oder zu reduzieren wäre nicht nur kostspielig für den Steuerzahler; auch ein Stück Bürgernähe ginge dabei verloren. Die Politiker wären gut beraten, sich nicht einer Stimmenfängerei hinzugeben, sondern die Bedürfnisse der Bürger aufzunehmen und für einen sozialen und effizienten Staat zu sorgen.

All den hunderten von Friedensrichtern und Vermittler gebührt ein herzliches Dankeschön, denn bei diesen Menschen steht nicht die persönliche Macht im Vordergrund, sondern das Wohl der Bürger und des Staates; oder anders gesagt „eine etwas gerechtere Welt“.