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Frieden stiften zwischen zwei verfeindeten Parteien hat in der Eidgenossenschaft eine lange und bewährte Tradition. Bereits der Bundesbrief von 1291 hält fest: die angesehnsten und weisesten Männer sollten Zwietracht unter den Verbündeten in ihnen gut scheinender Weise schlichten…
Die Einführung des Friedensrichters während der Helvetik war an der Langsamkeit und Schwerfälligkeit von Regierung und Verwaltung des zentralistischen Einheitsstaates gescheitert. Die Idee aber, dass ein Sühnbeamter / Vermittler streitende Parteien zu gütlicher Einigung bringen sollte, fand weiterhin begeisterte Anhänger. Im Jahre 1803, in der Zeit der Mediation, führte Napoléon bei seinen Feldzügen in Europa den ‚Juge de paix’ ein. Auch im damals noch jungen Schweizerstaat konnte sich die Idee der ‚Friedensrichter’ durchsetzen. Die Mediationsakte von 1803 enthielt in alphabetischer Abfolge die Verfassungen der damals 19 Kantone. Im Kanton Zürich zum Beispiel, erliess der grosse Rat die Reglemente und regelte die Organisation des Gerichtswesens. Für Zivil- und Kriminalfälle war das Obergericht zuständig. Der grosse Rat erliess ebenfalls das Gesetz betreffend der Organisation der Friedensrichter. Mit Einführung der Gesetze das Gerichtswesen betreffend, sowie der Einführung einer Zivil- und Strafprozessordnung im Jahre 1866 wurden wichtige Meilensteine für die moderne Rechtspflege gesetzt. Seit mehr als 200 Jahren sind Friedensrichter zuständig für die Vermittlung zwischen Bürgern und Justiz und somit erste Anlaufstelle bei Zivilstreitigkeiten.

Bürgernah, effizient, kostengünstig und erfolgreich werden bis heute die grosse Mehrheit aller Konflikte durch die Friedensrichter beigelegt, so dass nur noch zw. 15-20% aller Verfahren vor Gericht landen. Dies schont nicht nur das Budget der Rechtsuchenden, sondern entlastet die Gerichte massiv.

Die Friedensrichter führen als erste Instanz die obligatorischen Schlichtungsverfahren durch und leiten die Verhandlungen bei folgenden Klagen:

  • Forderungsklagen/Konsumentenstreitigkeiten (Streitigkeiten aus privaten und/oder geschäftlichen Beziehungen aus Kaufvertrag, Auftrag, Werkvertrag, etc.)
  • Arbeitsrechtliche Klagen (Lohnzahlung, Überzeit, Kündigung, Arbeitszeugnis, etc.). In einigen Kantonen gibt es für arbeitsrechtliche Klagen paritätische Schlichtungsbehörden, so dass die Zuständigkeit des Friedensrichters entfällt.
  • Klagen aus Motorfahrzeug- und Fahrradunfällen
  • Stockwerkeigentümer-Streitigkeiten(ebenso Strassengenossenschaften, etc.)
  • Klagen aus unerlaubter Handlung und ungerechtfertigter Bereicherung
  • Unterhaltsklagen aus Familienrecht
  • Erbrechtlichen Klagen (Testamentsanfechtungen, Erbteilungen, etc.)
  • Nachbarschaftsklagen (wegen Lärm, Immissionen, Sträuchern, Bäumen und Bauten, Grenzabständen, etc.)
  • Persönlichkeitsverletzungen
  • bestimmte Klagen im Zusammenhang mit dem Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) (Beseitigung des Rechtsvorschlages im ordentlichen Verfahren, Rückforderungen nach Art. 86 SchKG)

Auf Antrag der klägerischen Partei kann der Friedensrichter anschliessend an die Schlichtungsverhandlung über vermögensrechtliche Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von CHF 2'000.- in der Funktion als Einzelrichter endgültig entscheiden. Bis zu einem Streitwert von CHF 5'000.- kann er den Parteien einen schriftlichen Urteilsvorschlag unterbreiten, der ohne Ablehnung einer Partei innert 20 Tagen  in Rechtskraft erwächst.

Die Friedensrichter sind auch Ansprechpersonen für allgemeine Beratungen und erteilen Auskünfte über Fragen, die das Vorgehen bei zivilrechtlichen Klagen betreffen.

Das Führen dieses Amtes erfordert Sozialkompetenz, Verhandlungsgeschick, Führungserfahrung, Generalistenwissen, eine schnelle Auffassungsgabe und psychische Belastbarkeit.

Friedensrichter sind vertraut mit den einschlägigen Gesetzen und der Anwendung von Mediations- und Verhandlungstechniken. Ihr Auftreten ist unabhängig, empathisch, verschwiegen und vertrauenswürdig. Sie bringen eine gereifte und erfahrene Persönlichkeit mit gutem Ausdrucks- und Durchsetzungsvermögen mit und sind bereit zu regelmässiger Aus- und Weiterbildung.

Zudem verfügen sie über einen unbescholtenen Leumund, ein gepflegtes Aussehen, Geduld, Kreativität und eine gute Prise Humor.